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Besichtigung der Illinger Ölmühle 29. September 2015

Gruppenfoto der Vereinsmitglieder zur Ölmühle in IllingenPünktlich um 12:30 Uhr trafen wir uns wie üblich auf dem Parkplatz am Schelztor-Gymnasium. Hier wurden Fahrgemeinschaften gebildet und los ging es nach Illingen. Philippa hatte eine Führung in der alten Ölmühle um 14:00 Uhr gebucht.
Wir wurden in einen kleinen Raum gebeten, in dem wir uns erwartungsvoll an die Tische setzten. Wir wurden von der Seniorchefin und ihrem Sohn begrüßt.

 

Frau Krauth begann mit ihrem Bericht über die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der seit mehr als 150 Jahren bestehenden Ölmühle. Der ursprüngliche Standort war Mühlhausen an der Enz, die auch für die 3 Mühlen mit ihrer Wasserkraft die Energie lieferte. Neben der Ölmühle vom Fritz Krauth gab es im Tal noch eine Getreidemühle und ein Sägewerk. Es war damals üblich, dass überwiegend aus Mohn das Öl mit Steinrädern – dem sog. Kollergang gepresst wurde. In der heutigen Zeit ist Mohnanbau nicht mehr erlaubt; früher wurde er auf vielen Feldern angebaut und geerntet. An die Stelle des Mohns sind heute die Feldfrüchte Raps und Lein getreten.
Um 1900 wurde zur Gewinnung elektrischer Energie die Enzschleife bei Mühlhausen mit einem Wassertunnel durchstoßen und eine Turbine eingebaut. Das hatte zur Folge, dass die drei Mühlen auf elektrische Energie umstellen mussten, da nicht mehr genügend Wasserkraft zur Verfügung stand. Der Ur-Großvater Krauth nutzte diese gravierende Änderung zu einer Umsiedlung seiner Ölmühle nach Illingen. Hier wurden neue Ölpressen eingebaut, die hydraulisch die Stempel zur Ölgewinnung betätigten. Die Anlage wurde 1904 von der Maschinenfabrik Esslingen geliefert und ist heute noch die einzige Presse, mit der die Ölgewinnung aus nicht rieselfähigen Gütern (z.B. Nusskernen) praktiziert wird. Leinsamen und Raps dagegen werden in einem Extruder gepresst.


Verkostung des ÖlsDie Ölmühle betreibt heute der Hr. Jürgen Krauth in der 6. Generation, der uns nun seine Arbeitstechnik und die Produkte vorstellte. Während seines Vortrages gab es die einzelnen Öle zum Kosten; zur neutralen Abrundung des Geschmacks wurde ein Brot gereicht – das Leinwunder, das aus einer eigens kreierten Brotbackmischung aus Dinkelmehl und Leinsamenmehl gebacken wurde. Die Ölmühle hat 10 Mitarbeiter und ist ausgelastet. Die Spezialität sind hochwertige Walnuss-Öle, die als sog. Lohnpressung aus den angelieferten Nusskernen der Kunden gewonnen werden. Pro Pressvorgang werden ca. 12 Kg Nusskerne benötigt, aus denen etwa 8 Ltr. Walnuss-Öl entsteht. Eine Pressung dauert 90 Minuten und das Ergebnis ist ein gesundes, aromatisches Bio-Öl reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Das Öl passt gut zur Feldsalaten und verfeinert Teigwaren und Süßspeisen.
Hr. Krauth, der vor der Übernahme der Ölmühle in der Robert-Bosch-Stiftung tätig war, hat dieses Handwerk vom Großvater gelernt, nachdem die Einrichtung bereits 40 Jahre nicht mehr im Betrieb war. Es war für ihn keine leichte Entscheidung, einen sicheren Verdienst gegen eine ungewisse Zukunft einzutauschen. Vor 10 Jahren war es dann soweit; er hatte sich entschlossen, die Ölmühle wieder zum Leben zu erwecken. Wie so oft spielte hier auch der Zufall eine Rolle. Während der ersten Monate des Probebetriebes wurde der Fernsehsender WDR auf ihn aufmerksam und produzierte eine Ausgabe der „Sendung mit der Maus" in seiner Ölmühle. Damit wurde das Thema Lohnpressen von Walnusskernen publik und Hr. Krauth wurde von Anfragen überhäuft. Es entwickelte sich eine rege Beziehung zu vielen Privatkunden, die in jedem Jahr mit ihren Nusskernen zu ihm kommen.


Der kleine Laden der Illinger ÖlmühleNach diesen informationsreichen und spannenden Vorträgen wurden wir in den Produktionsraum der Ölmühle geführt. Hier war ein Mitarbeiter mit der Pressung von Walnusskernen beschäftigt. Eine zweite Maschine wurde gerade vorbereitet und wir konnten zuschauen, wie der Füllvorgang abläuft. In einen Stahlzylinder von ca. 30 cm Innen-Durchmesser wurde zunächst eine Gewebescheibe eingelegt, auf die dann eine etwa 2 cm dicke Lage Walnusskerne geschüttet wurde. Eine weitere Gewebescheibe und darauf eine Stahlplatte beschlossen die erste Stufe. In dieser Reihenfolge wurde nun der gesamte Stahlzylinder gefüllt, bis ca. 13 Kg trockene Walnusskerne untergebracht waren. Nun wurde der Zylinder unter den hängenden Stempel geschwenkt und die Hydraulikpresse begann, mit 300 bar zu drücken. Nach wenigen Minuten tropfte bereits das erste Öl aus dem Auslassrohr in einen Auffangbehälter. Der eingeleitete Pressvorgang dauert insgesamt 90 Minuten. Die Bezeichnung „kaltgepresst" deutet an, dass die Temperatur des Öles nicht über die Körpertemperatur steigen darf. Das macht die besondere Qualität des Öles aus, das alle Aroma-Stoffe behält und nicht nachbehandelt werden muss. Anders als bei einer Massenproduktion wird hier auf die Verwendung von Nusskernen Wert gelegt, d.h. die Schalen müssen draußen bleiben. So wird auch sichergestellt, dass die Nusskerne trocken sind und keine bitteren, verpilzten Bestandteile gepresst werden.
Nun war inzwischen der Pressvorgang des ersten Zylinders beendet und wir konnten die Leerung beobachten. Der Stempel wurde hochgefahren und der Zylinder aus der Presse herausgeschwenkt. Nun wurden die Schichten von Stahlscheiben, Gewebescheiben und einer trockenen Masse - dem Presskuchen entnommen. Der Presskuchen ist nahrhaft und wird noch als Schweinefutter verwendet.


Im kleinen Laden der Ölmühle wartete bereits der Kunde auf sein Walnuss-Öl aus der von uns beobachteten Pressung. Hier standen in den Regalen die Flaschen mit den leckeren Ölen aus eigener Herstellung. Aber auch verschiedene Essig-Essenzen aus einer Kooperation eines Partnerbetriebes wurden angeboten. Nun wurde eifrig eingekauft und die Seniorchefin machte ein zufriedenes Gesicht.


Philippa hatte in der Nachbarschaft Plätze in einer Konditorei für uns reserviert, in die wir nun hungrig und durstig hinüberwechselten. Es war ein sehr lehrreicher und unterhaltsamer Nachmittag, der nun bei einer guten Tasse Kaffee und einem leckeren Stück Schwarzwälderkirschtorte abgerundet wurde.


Peter Hoheisel

 


Bildergalerie:

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